Poster: Zypern im Netz. Ostmediterrane Verflechtungen zwischen der Spätbronze- und Früheisenzeit anhand zyprischer und zyprisierender Keramik [Research Day - Faculty of History (Ruhr-University Bochum) in May 2018]

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A poster presentation of the general topic of my ongoing Ph.D. thesis (in german). Presented during the 'Research-Day' of the Faculty of History at the Ruhr-University Bochum in May 2018.

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  Mit dem Ende der Bronzezeit im Ostmittelmeerraum ab dem 13./12. Jh. v.u.Z. gingen weitreichende Umwälzungen einher, die traditionell als ‚Kollaps‘ der bis dahin ausgedehnten Kontakte der unterschiedlichen Gesellschaften bewertet werden. Zypern kam bei diesen Netzwerken der Spätbronzezeit eine zentrale Position zu, die sich nicht alleine aus der geographischen Lage und/oder den geologisch-wirtschaftlichen Faktoren, die den Kupferreichtum begünstigten, erklären lassen. Der für uns heute mit wichtigste Indikator, der vergangene, überregionale Verbindungen aufzeigen kann, stellt in der vor- und frühgeschichtlichen Archäologie vor allem das Medium des gebrannten Tongefäßes (Keramik) dar. Fragmente solcher Gefäße, deren Charakteristika auf Zypern als Herstellungsort verweisen, nden sich in nahezu allen Fundorten der Mittelmeerküste im Nahen Osten, in Kleinasien und zum Teil auch in der südlichen und östlichen Ägäis. Entgegen der langläugen Erwartungen, die mit einem ‚Austauschkollaps‘ einhergehen, scheinen diese einmal geknüpften Beziehungen jedoch in die folgende Eisenzeit überdauert zu haben, da sich wiederum zyprische Zeugnisse im Fundaufkommen zahlreicher Stätten jener Zeit auftun. Ferner können zusätzlich mithilfe des Verständnisses prähistorischer Handwerkstechniken mögliche Wege eines Wissens- und Traditionsaustausches nachgezeichnet werden, die nahelegen, dass zyprische Handwerker*innen mit Kolleg*innen der näheren und ferneren Umgebung immer wieder in Kontakt standen. Ziel der angestrebten Dissertationsschrift ist demnach, die zyprischen Keramiktechnologien, die sich zwischen dem 13. und 8. Jh. v.u.Z. entwickelten, zu verstehen und ihre Rolle in den wiedererstarkten Netzwerken der ostmediterranen Regionen abzuwägen. Archäologische Fallstudien D ie heutige libanesische Hafenmetropole Saydā, das antike Sidon, weist neben seinen zahlreichen kulturhistorischen Zeugnissen nahezu aller Zeitepochen auch den mit größten Bestand zyprisch-eisenzeitlicher Keramik außerhalb Zyperns auf. Die noch andauernden archäologischen Grabungen des British Museums im Stadtgebiet brachten bisher weit über 1000 fragmentierte Gefäße zum Vorschein, die im Rahmen der Dissertation bereits makroskopisch beschrieben, gezeichnet und fotograert wurden. Satellitenbild des Ostmittelmeerraums mit Vermerk der Lage Saydās in rot Besonders Spuren, die sich auf die einstigen Handwerksschritte zurückführen lassen, sollen dabei erfasst werden. Die so erstellte Datenbank bildet damit die ideale Vorlage als Referenz weiterer Fundorte. Unter anderem für das nur 8 km von Saydā südlich entfernte Tell el-Burak, dessen Material 2019 aufgenommen werden soll. Künftig werden nach Auswertung der bisherigen Datensätze mikroskopische und chemische Analysen folgen, die tiefer in den Herstellungsprozess blicken lassen. cm SAN / 8343/ 507 Digitale Umzeichnungen zweier zyprischer Gefäße aus Saydā (Autor)Grabungsäche in Saydā, sog. College-Site (Autor 2017)E. Gjerstad zwischen 1927-33 (Wikimedia)Anzahl der (fragmentierten) zyprischen Gefäße Saydās in den Gjerstad‘schen Gruppen (Autor 2018)Den ersten überblicksartigen Zuordnungen der fragmentierten Stücke nach lassen sich für Saydā/Sidon bisher vorrangig Schalen und geschlossene Gefäßtypen, oft in Form der Amphore, ausndig machen. Dabei überwiegen die durch E. Gjerstad denierten Gruppen der White-Painted ‚Ware‘ eindeutig. Daneben muss die durchaus beachtliche Menge von Exemplaren der  jüngeren sog. Black-on-Red Ware in den Schalen und Kannen bzw. Krügen erwähnt werden. Da es sich um stark fragmentierte Siedlungskeramik handelt, spielen natürlich diverse Faktoren in den quantitiven Daten mit hinein, die das momentane Bild zumindest mitbestimmen.Blick nach Süden zum Meer nahe Palaepaphos (Zypern) (Autor 2013) Zyprisch-keramische ‚Waren‘ der Eisenzeit T rotz zunehmender Problematik innerhalb der archäologischen Fachdisziplinen wird bis heute mit einem Klassizierungssystem zyprisch-eisenzeitlicher Keramik gearbeitet, das während der ersten Hälfte des vsrcen Jahrhunderts durch den Schweden Einar Gjerstad aufgestellt wurde. Er versuchte durch eine Kombination der ablesbaren Herstellungstechnik (z.B. Aufbauweise, Tonstruktur und Tonfarbe), der Gefäßform und der aufgemalten Dekorationen verschiedene Gruppen zu bilden, die in ihrer Entwicklung außerdem noch in Phasen untergliedert wurden. Diese keramischen Phasen standen zudem synonym für frühgeschichtliche Epochen Zyperns. Der mitunter größte Kritikpunkt des Gjerstad’schen Modells bildet die rein von den Objekten abgeleitete Systematisierung, die Gjerstad betrieb, da er kaum auf stratizierte Befunde zugriff.Stattdessen bediente er sich den zwar zahlreichen,  jedoch aus der Befundlage selbst heraus nicht genau datierbaren Grabbeigaben. Das Material Saydās weist hingegen feine stratigraphisch erfasste Abfolgen auf, nach deren noch ausstehenden Auswertung wichtige Kontrollen und möglicherweise Korrekturen am System Gjerstads vorgenommen werden sollen. Zypro-Geometrisch I (1050-950 v.u.Z.):Bichrome I / Black-Slip I / Plain White I / Polychrome-White I / White-Painted IZypro-Geometrisch II (950-850 v.u.Z.):Bichrome II / Black-Slip II / Plain White II / Polychrome-White II / White-Painted IIZypro-Geometrisch III (850-700 v.u.Z.):Bichrome III / Black-on-Red I (III) / Black-Slip III / Grey-and-Black-Polished I (III) / Polychrome-White III / Red-Slip I (III) / White-Painted IIIZypro-Archaisch I (700-600 v.u.Z.):Bichrome IV / Bichrome-Red I (IV) / Black-on-Red II (IV) / Black-Slip IV / Grey-and-Black-Polished II (IV) / Polychrome-White IV / Red-Slip II (IV) / White-Painted IVZypro-Archaisch II (600-475 v.u.Z.):Bichrome V / Bichrome-Red II (V) / Black-on-Red III (V) / Black-Slip V / Grey-and-Black-Polished III (V) / Polychrome-White V / Red-Slip III (V) / White-Painted V Auistung eisenzeitlicher Epochen Zyperns mit den jeweiligen keramischen Gruppen nach Gjerstad (1948, 1960)Typo-chronologische Abfolge zyprischer Schalen nach Gjerstad (1960) Keramische Rezepte U m vergangene Technologien zu verstehen und ihren Werdegang nachzuzeichnen, bedarf es eine Vielzahl unterschiedlicher Untersuchungs- und Analysemethoden, die einander aufbauend ein möglichst detailliertes Bild erzeugen sollen. Daher werden neben den traditionellen Werkzeugen der Archäologie (makroskopische Beobachtungen vom Scherben, der Form und des Dekors) vor allem die vielseitigen Möglichkeiten der Archäometrie zu Rate gezogen. Dazu zählen neben der petrographischen Bestimmung der (intendiert hinzugegebenen) Magerungsbestandteile auch geochemische Analysen zuvor ausgewählter Probestücke. Die insgesamt so rekonstruierten Inhaltsstoffe eines keramischen Rezepts werden durch petrographische und – falls nötig – röntgentechnische Beurteilung der einstigen Aufbautechnik des Gefäßes erweitert. Dabei soll weniger die Frage einer ursprünglichen Provenienz des Materials geklärt werden, als vielmehr die frühhistorischen Arbeitsschritte erhellt und somit möglicherweise Aussagen über ideelle Bezugskontakte getroffen werden. Derartige Kontakte zwischen den Handwerker*innen dürften zudem über das Material Keramik hinausgegangen sein, was Lindy Crewe und Carl Knappett jüngst noch zur Hervorhebung der starken Wechselwirkung zwischen pottery technology   und cultural identity   bewegte.   Frische Brüche am Scherben bei Exemplaren aus Saydā (links: S/122704/5125 /rechts: S/120471/8269; beide 20x Vergrößerung) (Autor 2017)   Beispiel eines keramischen Überzugs bei einem Exemplar aus Saydā (S/111753/9211; 20x Vergrößerung) Autor 2017) REFERENZEN I. BERG, X-Radiography of Knossian Bronze Age Vessels. Assessing Our Knowledge of Primary Forming Techniques, BSA 104 (2009) 137 – 173 / A. M. BIEBER, Neutron Activation Analysis of Archaeological Ceramics from Cyprus, Diss. University of Connecticut (1977) / P. M. BIKAI, The Pottery of Tyre (Warminster 1978) / N. J. Brodie, Chemical Characterisation of Early and Middle Iron Age Cypriot Ceramics. A Review, RDAC 1998 (1998) 17-28 / L. CREWE - C. KNAPPETT, Technological Innovation and Island Societies. Wheelmade Pottery on Bronze Age and Iron Age Crete and Cyprus, in: G. Cadogan et al. (Hrsg.), Parallel Lives. Ancient Island Societies in Crete and Cyprus. Papers arising from the Conference in Nicosia Organised by the British School at Athens, the University of Crete and the University of Cyprus, in November - December 2006, British School at Athens Studies 20 (Devon 2012) 175-185 / A. P. GEORGIADOU, La céramique de Chypre à l’époque géométrique. Étude des ateliers régionaux (XIe-VIIIe s. av. J.-C.), unpublizierte Diss. an der Universität Aix-Marseille und der Universität von Athen (2013) / A. P. GEORGIADOU, Aspects of Pottery Production and Circulation in the Early Iron Age. Cypriot polities. Considering the Evidence of the Salamis Workshops, in: V. Vlachou - A. Gadolou (Hrsg.), TERPSIS. Studies in Mediterranean Archaeology in Honour of Nota Kourou, Études d‘archéologie 10 (Brüssel 2017) 99-112 / A. GILBOA, The View from the East - Tel Dor and the Earliest Cypro-Geometric Exports to the Levant, in: M. Iacovou - D. Michaelides (Hrsg.), Cyprus. The Historicity of the Geometric Horizon. Proceedings of an Archaeological Workshop. University of Cyprus, Nicosia, 11th October 1998 (Nikosia 1999) 119-140 / E. GJERSTAD, The Swedish Cyprus Expedition IV,2. The Cypro-Geometric, Cypro-Archaic and Cypro-Classical Periods (Stockholm 1948) / E. GJERSTAD, Pottery Types. Cypro-Geometric to Cypro-Classical, OpAth 3 (1960) 105-122 Zyprische Töpferlandschaften N egierte Gjerstad noch in den meisten Fällen ortsbezogene Pluralität innerhalb der von ihn denierten Gruppen und Phasen auf Zypern, konnte eine Existenz verschiedener Regionalstile und -techniken innerhalb der letzten Jahrzehnte immer stärker ausgearbeitet werden. Dieser wichtige Schritt hilft dabei, Zypern nicht bloß als homogen agierende Masse zu begreifen, sondern vielmehr innerzyprische Prozesse, die bei der Entwicklung sowie Verbreitung von Vorstellungen, Traditionen und Innovationen mitentscheidend waren, besser zu verstehen.In Kombination mit den bisher intensiver erforschten, spätbronzezeitlichen Werkstattlandschaften der Insel sollen die eisenzeitlichen Nachfolger in das Gesamtnetz ostmediterranen Austausches integriert werden. Eine darauf ausgerichtete, wissenschaftliche Beschäftigung mit zyprischem Material der Fundorte rings um Zypern ist dabei unerlässlich, damit die Rolle der  jeweiligen Akteure möglichst hochauösend wiedergegeben wird. Um diesen Ansprüchen zu genügen, werden neben Materialarbeiten außerzyprischer Fundstätten noch die zahlreichen Keramikgefäße zweier Gräberfelder beim zyprischen Palaepaphos in der Dissertation behandelt. Da Palaepaphos als einussreichstes Töpfergebiet des früheisenzeitlichen Zyperns gilt, dürfen vor allem hier erkenntnisreiche Beobachtungen zu erwarten sein. Die durch A. Georgiadou (2013) bisher verorteten Töpferzentren des früheisenzeitlichen Zyperns Zypern im Netz Ostmediterrane Verfechtungen zwischen der Spätbronze- und Früheisenzeit anhand zyprischer und zyprisierender Keramik Fakultät für Geschichtswissenschaft Institut für Archäologische Wissenschaften Kevin Spathmann, M.A.Promotionsbetreuung: Jun.-Prof. Dr. Constance von Rüden | Ur- und Frühgeschichte
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