Rezension zu: JÖRG ROCHE (2013), Fremdsprachenerwerb– Fremdsprachendidaktik. UTB A. FRANCKE: Tübingen. Auflage: 3., vollständig überarbeitete Auflage 2013. ISBN 978- 3-8252-4038-7. 328 Seiten. 19,99 €.

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In: Studi Germanici, 4, 2014.

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  im Sinne einer volksmythologi-schen Verbildlichung erwächstschließlich sogar eine ungewolltkarikaturhafte Verzerrung (Bur-zacca). Eine epochale, kulturelleund nationale Grenzen über-schreitende Fortwirkung be-schreibt Jopek anhand der in derfranzösischen und deutschen Li-teratur über lange Zeit nachwir-kenden Konzeption derdivergierenden männlichen(kämpferisches Handeln alsGanzheit) und weiblichen (reprä-sentative Verkörperung vonSchönheit in «sezierender» De-taildarstellung) Körperideale inCastigliones Il libro del Cortegiano .In den Beiträgen wird deutlich,auf welche Weise ursprünglichFremdes durch Übersetzung, Transformierung und Adaptie-rung zu Eigenem umgedeutetund vereinnahmt wird.Der insgesamt lesenswerteSammelband enthält eine Reihe von brillanten Forschungen, diejedoch aufgrund der inhaltlichenund methodologischen Dispari-tät der in diesem Band zusam-mengestellten Texte und derrelativ offenen Themenstellung einer gewissen thematischen Weiträumigkeit unterliegen.Daher ist eine interessengesteu-erte punktuelle Lektüre einzelnerBeiträge sicherlich einer kontinu-ierlichen Lektüre vorzuziehen.  Joachim Gerdes Jörg Roche, Fremdsprachener- werb – Fremdsprachendidaktik , Tü-bingen, UTB/Francke, 2013 (3. vollständig überarbeitete Au-flage), pp. 336,  €  19,99.Das in der UTB Basics-Reiheerschienene Buch von Jörg Roche mit dem Titel Fremdspra- chenerwerb – Fremdsprachendidaktik ist die dritte überarbeitete Auf-lage einer im Jahre 2005 zum er-sten Mal veröffentlichtenEinführung in das ThemaFremdsprachenlernen und -leh-ren, eines der interessantestenForschungsgebiete im Grenzbe-reich von Linguistik und Psycho-logie. Dem Verfasser geht es in die-sem Werk um eine übersichtlicheund anschauliche Behandlung  von Grundfragen, -konzeptenund -positionen der Fremdspra-chenerwerbsforschung und -di-daktik unter Einbeziehung linguistischer, psycholinguisti-scher, kognitiver, interkulturellerund sprachdidaktischer Aspekte. Wie in den vergangenen Aufla- 447  gen folgt die Darstellung der aus-gewählten Themen einer induk-tiven Progression, die von der Theorie über die Unterrichtsme-thodik zur Lernpraxis verläuft.Das wechselseitige Verhältniszwischen Sprachenerwerb und -didaktik, Theorie und Praxis,theoretischen Grundlagen undpraktischer Umsetzung im Un-terricht macht die Essenz eines Werks aus, das sich mit zahlrei-chen veranschaulichenden Bei-spielen und authentischenMaterialien an ein breites Spek-trum von Lesern – vor allem anSprachlernende und -lehrendebzw. Absolventen von Sprachen-didaktik-Studien – richtet. In dieser dritten Auflage istRoche um eine Darstellung be-müht, die vor allem einer aufga-ben- und handlungsorientiertenSprachdidaktik gerecht wird. Diedargestellten Sachverhalte wer-den gemäß der neusten Erkennt-nisse bzw. Bedürfnisse in derFremdsprachenerwerbsforschung ausgearbeitet und neu präsen-tiert. Jedes Kapitel enthält eineInhaltsangabe und einen Einfüh-rungstext, in dem Roche die zubehandelnden Themen und Fra-gestellungen zusammenfassend vorstellt. Anschließend wird häu-fig auf ikonographische Materia-lien wie Tabellen, Graphiken undBilder zurückgegriffen, die denZugang zu den im Fließtext dar-gelegten Fachbegriffen wesent-lich erleichtern und diese mitkommentierten Beispielen unter-mauern. Die einzelnen Absätzesind zumeist kurz aufgebaut undin mehrere Teile untergliedert.Sie eignen sich gut zum Nach-schlagen, zumal wichtige Wörterzur Übersichtlichkeit hervorge-hoben und Kernbegriffe in derRandspalte angegeben sind. AmEnde jedes Kapitels sindÜbungsaufgaben bzw. Prüfungs-fragen zur Selbstkontrolle undeine beachtliche Liste von wei-terführenden Literaturhinweisen vorhanden. Erstere dienen vorallem als Anregungder LeserIn-nen zum kritischen Nachdenkenüber eigene Erfahrungen bzw. Ausprobieren innovativer Lern-strategien und Lehrmethoden,letztere als Orientierung für eine weiterführende wissenschaftlicheBeschäftigung. Anders als in den vergangenen Auflagen sind dies-mal die Lösungen zu denÜbungsaufgaben im Internet(vgl. www.utb-mehr-wissen.de)zur Einsicht verfügbar, was deminnovativen Charakter des Buchs,das sich intensiv mit der Verwen-dung von elektronischen Materia- 448  lien, Medien, Hypertexten be-fasst, völlig gerecht wird. Wichtig ist an dieser Stelle hervorzuhe-ben, dass Prof. Roche unter an-derem Leiter des MultimediaForschungs- und Entwicklungsla-bors des Instituts für Deutsch alsFremdsprache der Ludwig-Maxi-milians-Universität München undProjektleiter der «Deutsch-UniOnline (DUO)» ist, auf deren in-novative Lehr- und Lernkonzepteim Laufe des Textes häufig ver- wiesen wird. Darüber hinaus wer-den hin und wieder für dieZwecke des Buchs signifikante Textstellen mit vertiefenden Ex-kursen ausgearbeitet.Roche behandelt das Themain acht Hauptbereichen: «Vonder Inputsteuerung zur Kompe-tenzorientierung», «Lernvaria-blen», «Die kognitive Hardware»,«Fremdsprachenerwerb», «Spra-che», «Lehr- und Lernziele,Kompetenzen und Standards»,«Interkulturelle Sprachdidaktik»und «Parameter zukünftigerFremdsprachendidaktik». Außer-dem werden in Kapitel 9 Refe-renzmaterialien, Handbücherund Fachzeitschriften zu For-schung und Didaktik aufgelistetund in Kapitel 10 ein Anhang mit Register und weiteren Ver-zeichnissen beigefügt. In Kapitel 1 gibt Roche einenÜberblick über die grundlegen-den Orientierungen und Prakti-ken der Vermittlung vonSprachen und über theoretischeLeitlinien unterschiedlicher An-sätze des Fremdsprachenlernensund -lehrens. Dabei werden diegeschichtliche Entwicklung desFremdsprachenunterrichts, vonder Grammatik-Übersetzungs-methode bis zur kommunikati- ven Didaktik und alternativen Verfahren, nachgezeichnet, ihreBezugsmodelle aus der Soziolo-gie präsentiert und didaktischeLeitlinien für die weitere Ent- wicklung skizziert. Die Behand-lung der einzelnen Methoden istkurz gehalten, was jedoch denInformationsgehalt der Aussa-gen keinesfalls mindert. Kapitel 2 befasst sich mit derBeschreibung interner und ex-terner Faktoren (Lernalter,Sprachlernfähigkeit, Geschlecht,umweltbestimmte Merkmale),die aus dem Spracherwerb eindynamisches System machen, indem sowohl Sprachzuwachs alsauch Fossilisierung und Hybridi-sierungen möglich sind. Lerner- variablen werden einzelnpräsentiert und ihre interagie-rende Dynamik im Managementmehrsprachiger Kompetenz an- 449  hand unterschiedlicher Theorien,Studien und Klassifikationssy-steme kritisch diskutiert. Vonden hier aufgegriffenen Themendürften vor allem Lernende undLehrende profitieren: Zum einenbekommen Erstere die Möglich-keit, ihre eigenen Lernervariab-len zu reflektieren; zum anderen werden Letztere bezüglich derFaktoren sensibilisiert, die beiunterschiedlichen Lerntypen denSpracherwerb steuern. Im dritten Kapitel liegt derSchwerpunkt auf der Beschrei-bung von Sprach- und Informati-onsverarbeitungsprozessen auspsycholinguistischer und neuro-biologischer Sicht. Hierzu wirddie Struktur des Gehirns und derNervenzellen ausführlich erläu-tert und anhand eines integriertenpsycholinguistischen Sprachver-arbeitungsmodells der Ablauf dereinzelnen Phasen, von der Kon-zeptualisierung über das mentaleLexikon bis hin zur Grammatik und Informationsspeicherung, il-lustriert. Vor allen Dingen wirddas Hauptaugenmerk auf die Or-ganisation des mentalen Lexikonsund auf dessen Erwerb in ein-sprachiger bzw. bilingualer Lern-umgebung gerichtet. Außerdemist Roches Versuch zu erkennen, Vorschläge zur Unterrichtsgestal-tung und Wortschatzvermittlung zu geben, weshalb sich das ganzeKapitel auch als kostbare Hilfefür Fremdsprachenlehrende er- weist. Kapitel 4 behandelt dieGrundlagen der Fremdsprachen-erwerbsforschung und zeigt an-hand von Fallstudien bzw.Modellen regelhafter Spracher- werbssequenzen, wie sich diePrinzipien des natürlichenFremdsprachenerwerbs in denLernersprachen abbilden. Ob- wohl die wichtigsten Hypothesenzum Spracherwerb nur knappbehandelt werden und bibliogra-phische Angaben fehlen, legt der Verfasser den Ablauf von Er- werbssequenzen sehr ausführlichund akribisch dar. Der abschlie-ßende Teil des Kapitels beschäf-tigt sich außerdem mittranskribierten Gesprächen vonerwachsenen Ausländern zur Veranschaulichung symptomati-scher Merkmale (Anpassung, Vereinfachung, Aushandlung),mit denen sich Lerner und Spre-cher der Zielsprache verständlichmachen. Gegenstand des darauffol-genden Kapitels ist die Beschrei-bung aller Sprachbereiche (Text-,Satz-, Wort- und Lautebene) unddie lebendige Darstellung unter- 450  schiedlicher Grammatikarten. So werden zunächst die Nutzen vonfunktionalen, generativen, kon-trastiven und Valenzgrammati-ken an praktischen vom Verfasser wissenschaftlich kom-mentierten Beispielen – zuneh-mend aus dem DaF-Bereichstammend – illustriert, bevor zur Text- und Diskursebene bzw. zur Vorstellung von dynamischenund animierten Hypertextenübergangen wird. Schließlich wird auch auf sprachliche Varia-tionen (Dialekte, Soziolekte,Fachsprachvarietäten) und auf deren Potential und Einflussfak-toren im Fremdsprachenunter-richt eingegangen. In Kapitel 6 wird der Weg  vom Lehrplan zum Lernplan geebnet und die Formulierung und Bestimmung von Lehr- oderLernzielen als Handlungsanwei-sung für Lehrkräfte und LehrwerksautorInnen, vonKompetenzen und Standards imFremdsprachenunterricht aufge-griffen. Es wird dargestellt, worum es bei den Kompetenzengeht, welche für den Spracher- werb eine entscheidende Rollespielen und wie sie in einem Sy-stem zur Qualitätsentwicklung und -sicherung einzusetzen sind.Hierzu wird häufig auf den Ge-meinsamen Europäischen Refe-renzrahmen (GER) als Lehr-und Lernzielbestimmung mit sei-ner Kann-Beschreibung Rück-sicht genommen und auf die vierFertigkeiten durch eine Reihe von – vorwiegend aus Blended- Learning-  Programmen entnom-menen – Vermittlungsbeispieleneinzeln eingegangen. Darüberhinaus gibt Roche einen kurzenEinblick in den Einsatz von Me-dien im Fremdsprachenunter-richt, von Selbstprogrammen bishin zu elektronischen Lernplatt-formen und virtuellen Klassen-zimmern und bespricht kritischderen Vor- und Nachteile. In Kapitel 7 wird der Lernermit seiner fremden Perspektive inden Mittelpunkt gestellt und an-hand eines maschinellen Überset-zungsversuchs die Bedeutung vonKultur im Zusammenhang mitSprache verdeutlicht. Anschlie-ßend wird die «InterkulturelleSprachdidaktik» als neue, vonkommunikativen Ansätzen stam-mende Didaktik-Generation mitihren obersten Zielen ausführlichpräsentiert und der Begriff «In-terkulturelle Kompetenz» defi-niert. Es wird schließlich durchzahlreiche Kulturstudien und Bei-spiele einer integrativen Landes-kunde (vor allem bezüglich des 451
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